Aktuelle Zero Client-Ansätze – zukunftssicher?
Was ist ein Zero Client?
Grundsätzlich lassen sich zwei Zero Client-Ansätze unterscheiden: Zero Clients für OS-Streaming und dedizierte Hardware Zero Clients für den Zugriff auf bestimmte virtuelle Desktops und physische Workstations.
1. Zero Clients für OS-Streaming
„Zero OS“-Geräte laden ihr Betriebssystem per PXE (Preboot eXecution Environment) aus dem Netzwerk herunter. Das kann entweder ein abgespecktes PC-Betriebssystem sein oder ein minimales Thin Client-OS für den exklusiven Zugriff auf eine bestimmte Lösungsumgebung, beispielsweise Citrix XenApp / XenDesktop.
1.1. Zero Client für OS-Streaming
Dieser Zero Client-Typ arbeitet wie ein Fat Client mit lokalem OS im RAM, z.B. Windows XP Pro.
Problematisch:
- Das wiederholte Booten des umfangreichen Betriebssystems erfordert zusätzliche Serverkapazitäten und belastet das Netzwerk, insbesondere in Spitzenzeiten (morgens zum Arbeitsbeginn).
- Lokale Ausführung von Windows erfordert „fette“ Hardware (viel RAM, leistungsstarker Prozessor); Ansatz nicht mehr zeitgemäß angesichts virtueller Desktop-Infrastrukturen (VDI).
1.2. Zero Client für Thin Client OS-Streaming (PC System)
Solche Zero Clients arbeiten wie ein Thin Client mit lokalem OS im RAM, z.B. für Citrix ICA oder Microsoft Remote FX.
Problematisch:
Abgespecktes Thin Client OS begrenzt den Investitionsschutz: lediglich proprietärer (exklusiver) Zugriff auf bestimmte Serverumgebungen (nur ICA, nur PCoIP oder nur RemoteFX).
2. Hardware Zero Clients
Hardware Zero Clients besitzen eine proprietäre Hardware für den Zugriff auf eine bestimmte Serverlösung oder eine dedizierte Workstation.
2.1. Hardware Zero Clients mit „zero CPU“ und „zero RAM“
Zero Clients dieser Kategorie besitzen eine minimale Hardware ohne eigene Bausteine für CPU (Hauptprozessor) und RAM (Arbeitsspeicher). Die Kommunikationslogik ist fest in die Schaltkreise integriert und kaum veränderbar (proprietäres Protokoll).
Problematisch:
- Proprietäres Design: Exklusiver Zugriff auf eine bestimmte Server- oder VDI-Lösung begrenzt die Zukunftssicherheit auf wenige Jahre.
- Fehlende technologische Offenheit: neue Protokolle oder Protokollergänzungen (z.B. Microsoft RemoteFX oder SPICE) können vom Gerät nicht genutzt werden. Die Geräte veralten schneller.
- Beschränktes Einsparpotential: Zero Clients mit proprietärem VDI-Zugriff können nicht auf hocheffiziente De-facto-Standardlösungen wie Microsoft Windows Server 2008 R2 oder Citrix XenApp zugreifen.
- Erhöhter Ressourcenbedarf im Backend: Zero Clients besitzen keine lokale Rechen- und Grafikleistung oder Softwaretools, um die Server zu entlasten. Was im Einzeltest noch gut aussieht, wirkt sich oft schon ab 10 Usern negativ auf die Performance aus.
2.2. Hardware Zero Clients für PCoIP: Zero Management?
Diese Geräte sind für das von der Firma Teradici entwickelte Übertragungsprotokoll PCoverIP (PCoIP) optimiert. Sie besitzen ein proprietäres OS, eine proprietäre CPU, sowie einen RAM-Baustein und decodieren die Bildinformationen eines VMware View Desktops (ab Version 4 mit PCoIP-Unterstützung) oder einer dedizierten physischen Workstation mit Teradici Host-Chipsatz (1:1 Verbindung).
Problematisch:
- Fehlende Zukunftssicherheit durch proprietäre Hard- und Software
- Hoher Ressourcenbedarf auf der Serverseite
- 1:1 Workstation-Lösung benötigt eine zusätzliche Host-PCoIP-Karte. Diese verhältnismäßig teure Lösung eignet sich daher nur für Power-User mit besonders hohen Ansprüchen (z.B. CAD).
Zero Client-Konzepte im Vergleich
Abbildung: OS-Streaming; Abb. 2: Hardware Zero Clients mit Pano Logic®- bzw. Teradici®/PCoIP®-Technologie



