Die radikale Entsorgung von PC-Altlasten kann zu geringerem Verwaltungsaufwand und
deutlich verminderten Gesamtkosten für die Informationstechnik führen.
Diese erfreuliche Erfahrung machte die Düsseldorfer Commerzleasing und
Immobilien GmbH.
1998 fasste man bei der Commerzbank-Tochter den
Plan, ein neues Unternehmensnetzwerk anzuschaffen. Das war, meint
Michael Prangenberg, Abteilungsdirektor Informationssysteme und
Technik, auch dringend geboten: Das alte System lief noch unter dem
unkomfortablen und instabilen Windows
® 3.11 als Betriebssystem und
unter einer alten Version der Netzwerksoftware von Novell. Vor allem
aber war eine Reihe von Anwendungen nicht Jahr-2000-fähig, und auch die
Hardware hatte ihre besten Zeiten hinter sich. Für die Serverseite der
Neuanschaffung gab es keine Alternative: Weil die Mutter Commerzbank
schon zwei Jahre zuvor auf Windows
® NT umgestellt hatte, folgte die
Tochter nach.
Die Verkabelung passte Prangenberg dem zu
erwartenden Unternehmenswachstum an: schnelle Kupferkabel für die
hausinterne Ethernetverkabelung am Hauptsitz in Düsseldorf,
GSM-Funkverbindungen zwischen den dortigen Gebäuden und Standleitungen
mit einer Übertragungsrate von 2 MB/s für die Anbindung der
Außenstellen. Was jedoch die Schreibtische angeht, war von Anfang an
neben einer PC-Ersatzbeschaffung auch eine Lösung mit Thin Clients im
Gespräch, mit Arbeitsplatzterminals also, die ihre Daten und
Anwendungen von Zentralrechnern holen: Server Based Computing (SBC).
„Die
Aussicht, hunderte von Einzel-PCs mit unterschiedlicher
Hardware-Ausstattung als Windows
® NT-Clients verwalten zu müssen,
gefiel uns nicht sonderlich“, berichtet Prangenberg. Relativ früh
reifte bei der Commerzleasing daher der Entschluss zu einer SBC-Lösung
mit Citrix Metaframe als Kommunikationsschnittstelle zwischen den
Arbeitsplätzen und den Servern. Die Entscheidung kam nicht aus dem
Bauch heraus: Eine Grobkalkulation Anfang 1999 auf der Basis von 370
Arbeitsplätzen in Düsseldorf und zehn bundesweiten Geschäftsstellen
brachte ein deutliches Resultat:
Eine Client/Server-Lösung mit
Windows
® NT auf den Desktops hätte pro Jahr 550.000 Euro für die
Standleitungen, 50.000 Euro für Verwaltung und Pflege der Anlage,
345.000 Euro an Hotline- und Supportaufwand, eine viertel Million für
EDV-Personal und schätzungsweise 625.000 Euro durch störungsbedingte
Ausfallzeiten auf Anwenderseite gekostet, wie Abteilungsdirektor und
Organisationsleiter Andreas Reuter erläutert. Unter dem Strich wären
das also deutlich mehr als 1,75 Millionen Euro gewesen. Die Variante
mit Thin Clients und Citrix Metaframe dagegen begnügte sich rechnerisch
mit knapp 750.000 Euro – verteilt auf 355.000 Euro Leitungskosten
(wegen geringerer benötigter Bandbreite), 12.500 Euro für die
Administration des Netzes, 87.000 Euro für Hotline und Support, dazu
175.000 Euro Personalkosten und kalkulierten 100.000 Euro für zu
erwartende Ausfälle.
Thin Clients an allen ArbeitsplätzenFolglich
waren die Windows
® NT-PCs aus dem Spiel. Die Commerzleasing suchte ab
Mai 1999 die richtigen Endgeräte für das Projekt. Es kamen nur echte
Thin Clients in Frage, keine abgespeckten PCs. Clients mit
herstellereigenen, nicht übertragbaren Betriebssystemen waren keine
Alternative, genauso wie die abgespeckte Windows
®- Variante CE. Das
Rennen machten schließlich die Thin Clients des Bremer Herstellers IGEL Technology mit einem eigenen Linux-basierenden Betriebssystem. Die
schlanke Betriebssoftware braucht wenig Platz, so dass ein lediglich 16
Megabyte großer Flashspeicher ausreicht. Außerdem, so Prangenberg,
zeigte sich IGEL im gewünschten Ausmaß flexibel bei der Konfiguration
der Hardware.
Individuelle SoftwareAls Vorteil
erwies sich zudem, dass das Bremer Unternehmen über eine eigene
Entwicklerabteilung verfügt. Dadurch ließen sich einfach Modifikationen
am Kern des Betriebssystems vornehmen, die die IT-Leute bei der
Commerzleasing in die Lage versetzten, den Anwendern im Hause auch
individuelle Softwarelösungen anzubieten.
Zu den besonderen
Anpassungen gehörte ein Spoolsystem, das den Druck über die Terminals
erlaubt, und eine Emulation für das Rechnungswesen, das auf einem
Server unter Sinix läuft, der Siemens-Variante des mit Linux verwandten
Betriebssystems Unix. „Außerdem wollten wir, dass sich die Terminals
bei jedem Start ihre Konfiguration vom Server holen und bei Bedarf
automatisch Updates des Betriebssystems herunterladen“, so Prangenberg
zu den Anforderungen. Im Oktober 1999 wurden die ersten 360 Thin
Clients installiert – Abteilung für Abteilung, wobei der Wechsel vom
alten zum neuen System jeweils längstens drei Tage dauerte. Um die
Konfiguration im Netzwerk möglichst bequem zu gestalten, wurde zur
schnelleren Identifikation auf jedes Gerät die physikalische Adresse
seiner Netzwerkkarte aufgedruckt. „An den einzelnen Arbeitsplätzen“,
erläutert Heiko Gloge, Managing Director bei IGEL, „war daher bei der
Installation nichts weiter nötig, als die Kabel einzustecken.“
Die
Akzeptanz der neuen Lösung im Unternehmen war zunächst verhalten, da
der Arbeitsplatzcomputer gefühlsmäßig häufig als „mein Rechner“ gesehen
wird.
Den Abschied vom alten Blech konnte die Commerzleasing
ihren Mitarbeitern schließlich jedoch durch schicke Flachbildschirme
erleichtern, die nun statt der alten Röhrenriesen auf jedem
Schreibtisch stehen – und weniger Platz wegnehmen. Gleichzeitig mit der
eleganten Hardware und neuen Anwendungen, zum Beispiel der
kommunikationsfördernden Groupware Lotus Notes, erhielten die
Mitarbeiter Email-Zugänge und Internetanschlüsse. Trotz dieser neuen
Möglichkeiten, bilanziert Organisationschef Reuter, ist der
Administrationsaufwand dank der zentralen Struktur nicht gestiegen.
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